Die Ergebnisse des aktuellen TÜV-Reports haben in der Welt der Elektromobilität für Aufsehen gesorgt. Insbesondere bei jungen Tesla-Modellen wie dem Model 3 und Model Y fällt auf, dass sie in der Altersklasse der 2- bis 3-jährigen Fahrzeuge eine überdurchschnittlich hohe Durchfallquote aufweisen (laut Teslamag und ADAC). Für mich als langjährigen Tesla-Fahrer ist das Anlass, genauer hinzusehen und die Gründe für diese Entwicklung zu beleuchten, ohne mich von reißerischen Schlagzeilen leiten zu lassen.
Mein Ziel ist es, dir hier eine fundierte Erklärung zu liefern, warum diese Zahlen zustande kommen und was das für dich als (zukünftigen) Elektroautofahrer bedeutet. Dabei geht es nicht darum, Elektroautos schlechtzureden, sondern die Realität zu betrachten und praktische Lösungen aufzuzeigen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie zuverlässig und komfortabel Elektroautos im Alltag sein können, aber auch, dass es spezifische Eigenheiten gibt, die man kennen sollte.
Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Wenn wir uns die spezifischen Zahlen ansehen, wird schnell klar, wo die Herausforderungen liegen. Das Tesla Model Y erreichte im aktuellen TÜV-Report mit einer Mängelquote von 17,3 % bei den 2- bis 3-jährigen Fahrzeugen den letzten Platz in seiner Klasse. Das Model 3 lag ebenfalls im oberen Bereich der Ausfallstatistiken, mit einer Quote von 13,1 % (gemäß Auto Motor und Sport).
Zum Vergleich: Der Klassendurchschnitt liegt bei etwa 5,7 %, und Top-Modelle wie der Mini Cooper SE oder der Audi Q4 e-tron bewegen sich im Bereich von 3,5 % bis 4,0 %.
Diese Statistik basiert auf Millionen von Hauptuntersuchungen, die im Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 durchgeführt wurden (Quelle: ADAC). Es zeigt sich also ein klares Muster, das über einzelne Ausreißer hinausgeht. Für mich sind diese Zahlen keine Katastrophe, sondern ein wichtiger Indikator, der uns hilft, besser zu verstehen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Warum der Tesla im TÜV-Report schlechter abschneidet
Eine der häufigsten Erklärungen für die erhöhte Durchfallquote bei Tesla-Fahrzeugen ist das von Tesla propagierte „wartungsfreie“ Konzept. Dies führt oft dazu, dass die Fahrzeuge seltener oder gar nicht in einer Werkstatt zur Inspektion vorgestellt werden. Der TÜV Süd kritisiert diesen Verzicht auf feste Wartungsintervalle als Mitursache für die höheren Mängelquoten.
Ein weiterer Faktor ist die oft höhere Laufleistung, die Tesla-Fahrzeuge im Schnitt erreichen. Viele E-Autos werden von Vielfahrern genutzt, was den Verschleiß natürlich beschleunigt. Eine durchschnittliche Laufleistung von 55.000 Kilometern in zwei bis drei Jahren ist nicht ungewöhnlich und fordert ihren Tribut von Komponenten wie Bremsen und Fahrwerk (laut Auto Motor und Sport). Ich selbst fahre zwar „nur“ 12.000 Kilometer im Jahr, aber ich weiß, dass andere Tesla-Fahrer deutlich mehr unterwegs sind.
Das „wartungsfreie“ Konzept: Eine Hinterfragung
Tesla verzichtet traditionell auf klassische Inspektionsintervalle, wie wir sie von Verbrennern kennen. Das liegt daran, dass ein Elektroauto weniger verschleißanfällige Teile hat – kein Motorölwechsel, kein Zahnriemen, keine Zündkerzen. Dieser Ansatz, gepaart mit Over-the-Air (OTA)-Software-Updates, vermittelt den Eindruck, dass man sich nicht um das Fahrzeug kümmern muss.
Doch auch ein Elektroauto hat Komponenten, die einer regelmäßigen Kontrolle bedürfen. Bremsen, Reifen, Fahrwerksteile und Beleuchtung sind mechanisch beansprucht und müssen auf ihre Funktion überprüft werden. Der TÜV-Verband und andere Experten fordern eine Modernisierung der Hauptuntersuchung speziell für E-Autos, die Themen wie den Zustand der Batterie (State of Health, SoH) und das Hochvoltsystem berücksichtigen.
Häufige Mängel und ihre Ursachen
Die TÜV-Reports zeigen klar auf, welche Bereiche an Tesla-Fahrzeugen am häufigsten beanstandet werden. Ganz vorne stehen dabei Mängel an Bremsen und der Beleuchtung (Quelle: Chip.de). Diese Punkte sind klassische Verschleißteile und Sicherheitsaspekte, die bei jeder Hauptuntersuchung genau unter die Lupe genommen werden.
Bremsen: Ein häufiges Problemfeld
Es mag paradox klingen, aber die Bremsen von Elektroautos können unter Umständen mehr Probleme bereiten als die von Verbrennern. Der Grund liegt in der Rekuperation, also der Energierückgewinnung beim Verzögern. Dabei wird das Fahrzeug überwiegend über den Elektromotor abgebremst und die mechanischen Bremsen kommen seltener zum Einsatz. Dies führt dazu, dass die Bremsscheiben und Beläge weniger beansprucht werden und sich Rost ansetzen kann, insbesondere bei Kurzstreckenfahrten oder längeren Standzeiten.
In meinem Artikel zu Bremsenrost bei Elektroautos habe ich weitere Informationen und Erfahrungen zusammengetragen.
Ein weiterer Aspekt ist das höhere Fahrzeuggewicht der Elektroautos, bedingt durch die Batterie. Obwohl Rekuperation den Verschleiß reduziert, kann bei schnelleren Fahrten oder starken Bremsmanövern das erhöhte Gewicht die mechanischen Bremsen dennoch stärker fordern, wenn sie dann genutzt werden. Hier ist regelmäßige Bewegung der Bremsen wichtig, um einer festrostenden Bremsanlage entgegenzuwirken.
Beleuchtung und Fahrwerk
Bei der Beleuchtung sind oft Kleinigkeiten wie falsch eingestellte Scheinwerfer oder defekte Leuchtmittel die Ursache, die aber bei der Hauptuntersuchung zu einer Beanstandung führen. Die Fahrwerksteile, insbesondere bei hoher Laufleistung und dem Gewicht des Elektroautos, können ebenfalls einem erhöhten Verschleiß unterliegen. Hier denke ich an Komponenten wie Spurstangen, Querlenker oder Stoßdämpfer. Eine regelmäßige Inspektion kann hier frühzeitig Abhilfe schaffen.
Wartung und Vorbeugung: Was du tun kannst
Obwohl Tesla keine festen Serviceintervalle vorschreibt, ist es aus meiner Sicht absolut ratsam, dein Elektroauto regelmäßig überprüfen zu lassen. Das muss nicht unbedingt ein großer Inspektionsservice sein, wie wir ihn von Verbrennern kennen, aber eine präventive Kontrolle ist Gold wert.
Regelmäßige Kontrollen und Sichtprüfungen
Du kannst selbst einiges tun, um Mängeln vorzubeugen.
- Reifen und Fahrwerk: Überprüfe regelmäßig den Profiltiefe und den Zustand deiner Reifen. Achte auf ungewöhnliche Geräusche im Fahrwerksbereich oder ein verändertes Fahrverhalten, das auf verschlissene Komponenten hindeuten könnte.
- Bremsen: Um Rostbildung vorzubeugen, ist es hilfreich, die Bremsen ab und zu bewusst zu nutzen, auch wenn die Rekuperation im Alltag viel Arbeit abnimmt. Führe beispielsweise auf einer freien Strecke ein paar stärkere Bremsmanöver durch.
- Beleuchtung: Kontrolliere selbst oder lasse in einer Werkstatt regelmäßig alle Leuchten auf Funktion und korrekte Einstellung prüfen. Eine defekte Glühbirne ist schnell gewechselt und vermeidet Ärger beim TÜV.
- Scheibenwischer und Flüssigkeiten: Auch wenn es keine Motorölbehälter gibt, müssen Scheibenwischwasser und Bremsflüssigkeit kontrolliert und bei Bedarf nachgefüllt oder gewechselt werden.
Der Werkstattbesuch vor der HU
Was ich dir wirklich ans Herz legen kann, ist ein Check-up in einer qualifizierten Werkstatt wenige Wochen vor dem TÜV-Termin. Viele Betriebe bieten einen „TÜV-Vorsorgecheck“ an. Dabei werden genau die Punkte überprüft, die bei der Hauptuntersuchung relevant sind. So können potenzielle Mängel frühzeitig erkannt und behoben werden, um dir den Gang zur Nachprüfung zu ersparen. Das betrifft alle Fahrzeuge, nicht nur Elektroautos. Wenn du das öffentlich Laden so oft nutzt wie ich, solltest du auch die Ladebuchse regelmäßig auf Verschleiß und Beschädigungen prüfen lassen.
Blick nach vorn: Elektromobilität und die Hauptuntersuchung
Die Diskussionen rund um die TÜV-Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Hauptuntersuchung weiterentwickeln muss, um den Besonderheiten von Elektroautos gerecht zu werden. Der TÜV-Verband fordert bereits eine spezielle Anpassung der HU, die den Fokus stärker auf die spezifischen Komponenten von E-Autos legt. Auto Motor und Sport erwähnt die Notwendigkeit, den State of Health (SoH) der Batterie und das Hochvoltsystem in die Prüfung einzubeziehen.
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass diese Anpassungen kommen werden, um die Sicherheit und Zuverlässigkeit der stetig wachsenden Elektroauto-Flotte zu gewährleisten. Solche Entwicklungen sind wichtig, um das Vertrauen in die Elektromobilität weiter zu stärken und auch potenziellen Gebrauchtwagenkäufern von E-Autos mehr Sicherheit zu geben.
Persönliche Einschätzung als Tesla-Fahrer
Aus meiner dreijährigen Erfahrung mit dem Tesla Model Y und zuvor einem Verbrenner kann ich sagen: Elektromobilität funktioniert im Alltag hervorragend. Die Laufruhe, die direkte Beschleunigung und die modernen Features sind für mich entscheidende Vorteile, von denen ich nicht mehr missen möchte. Die „Durchfallquoten“ der Tesla-Modelle im TÜV-Report sind für mich kein Grund, an der Elektromobilität zu zweifeln oder meinen Tesla aufzugeben.
Sie machen aber deutlich, dass auch ein Elektroauto regelmäßige Aufmerksamkeit benötigt – auch wenn keine Services vorgeschrieben sind. Das ist für mich eine Lektion in Eigenverantwortung: Ich sollte als Fahrer selbst ein Auge auf den Zustand meines Fahrzeugs haben und gegebenenfalls proaktive Maßnahmen ergreifen. Die Vorteile, die ich täglich erlebe, überwiegen diese potenziellen Herausforderungen bei Weitem, und ich würde persönlich nicht mehr zu einem Verbrenner zurückkehren wollen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Tesla Model Y und Model 3 weisen im TÜV-Report 2026 hohe Mängelquoten in der Altersklasse 2–3 Jahre auf (bis zu 17,3 % für Model Y).
- Hauptursachen sind das „wartungsfreie“ Konzept von Tesla, das zu fehlenden Inspektionen führt, und die hohe Laufleistung der Fahrzeuge.
- Oft beanstandete Mängel betreffen Bremsen (durch Rekuperation und Rostbildung) sowie Beleuchtung und Fahrwerksteile.
- Um Mängeln vorzubeugen, sind regelmäßige Selbstkontrollen und ein präventiver Check-up in der Werkstatt vor der Hauptuntersuchung ratsam.
- Die Hauptuntersuchung muss an die spezifischen Anforderungen von Elektroautos angepasst werden, beispielsweise durch die Prüfung von Batteriezustand und Hochvoltsystem.
- Trotz der TÜV-Zahlen funktioniert Elektromobilität im Alltag für viele Fahrer zuverlässig, erfordert aber bewusste Wartung und Aufmerksamkeit für den Fahrzeugzustand.


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